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Start Natur- und Umweltschutz Natur- und Umweltschutz Pflege- und Entwicklungskonzept für die Rosenmühlenbachniederung

Pflege- und Entwicklungskonzept für die Rosenmühlenbachniederung

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Projekt 2001 des Studiengangs Landschaftsentwicklung des Fachbereichs Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück.

Zusammenfassung

Das Hauptstudienprojekt des 6. und 7. Semesters Landschaftsentwicklung der Fachhochschule Osnabrück (Wintersemester 00/01 und Sommersemester 01) befasst sich mit der Erstellung eines Pflege und Entwicklungskonzeptes für den Rosenmühlenbach zwischen Bissendorf, Ortsteil Achelriede und der Ortschaft Natbergen sowie den umliegenden Flächen.

Das Bearbeitungsgebiet ist geprägt von einem großen Niederungsbereich im Kern, und höhergelegenen Flächen im Außenbereich. Das gesamte Gebiet, mit Ausnahme der Siedlungs- und Waldbereiche wird landwirtschaftlich genutzt. Aus diesem Grund mussten die starken Nutzungsansprüche von Beginn an in der Planung berücksichtigt werden.

Ein großer Teil der Arbeit lag in der Erfassung und Bewertung des Naturraumpotentials des Bearbeitungsgebietes. Hierfür wurden Erhebungen der Arten und Lebensgemeinschaften von Flora und Fauna, Boden, sowie das Landschaftsbild und besonders für das Gewässer die Strukturgüte und die Gewässergüte vorgenommen und mit entsprechenden anerkannten Verfahren bewertet. Aus den Erhebungen und Bewertungen konnte das gesamte Untersuchungsgebiet charakterisiert werden, und zu den einzelnen Aspekten entsprechende Zielaussagen aus Naturschutzsicht getroffen werden.

Auf Grundlage dieser Zielaussagen zusammen mit den rechtlichen Vorgaben und den Nutzungsansprüchen wurde ein umsetzungsorientiertes regionales Leitbild entwickelt. Dieses Leitbild stellt die Legitimation für das daraus folgende Gesamtzielkonzept dar.

Aus diesem Zielkonzept wurden in zwei Gruppen zwei unterschiedliche Maßnahmen­konzepte entwickelt, wobei das Konzept A mehr auf die Nutzungskonflikte eingeht und die Maßnahmen nach ihrer Durchsetzungschance und Akzeptanz einteilt, während sich das Konzept B an der größten Abweichung vom Leitbild orientiert. In beiden Konzepten wurde anhand dieser Prioritäteneinteilung die Wichtigkeit der verschiedenen Maßnahmen hervorgehoben. Ein Großteil dieser Maßnahmen wurde bis zur Leistungsphase 6 der Honorarordnung für Architekten und Ingeneure (HOAI) im Detail bearbeitet, so dass teilweise für eine Maßnahme verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Ergebnisse der Untersuchungen sind, das der stark veränderte Bach durch verschiedene Maßnahmen mehr Struktur erhalten soll und so in seiner Naturnähe aufgewertet wird. Der weiträumige Kernbereich mit seinen teilweise schützenwerten Feuchtgrünländern stellt ein geeignetes Habitat für Wiesenvögel, wie Kiebitz oder Braunkehlchen dar, dafür müsste aber die Nutzung auf einigen Flächen extensiviert werden. Abschließend kann man sagen, dass die landwirtschaftliche Nutzung mit ein einigen Veränderungen bestehen bleiben soll, um den Zustand zu erhalten und zu verbessern.

Öffentliche Präsentation

Um interessierten Bürgern, Anwohnern und Landwirten unser Hauptstudienprojekt vorzustellen, wurde im Plenum beschlossen, zu diesem Zweck einen Wanderung im Untersuchungsgebiet anzubieten. Direkt vor Ort sollte die Rosenmühlenbachniederung aus landschaftsökologischer Sicht vorgestellt und einige Ergebnisse dargestellt werden. Da diese öffentliche Präsentation nicht nur für ein spezielles Fachpublikum gedacht war, sondern eher ein breit gefächertes Publikum ansprechen sollte, fiel die Entscheidung zugunsten der Wanderung. In diesem Rahmen wurde die beste Möglichkeit gesehen, auf die verschiedenen Interessen einzugehen und das unterschiedliche Anspruchsniveau einzugehen.

Der Zeitrahmen wurde auf insgesamt zwei Stunden festgelegt und beinhaltete die kurze Vorstellung der Geologie, Bodenverhältnisse und des Landschaftsbildes, sowie an insgesamt sechs Stationen die Erläuterung der Besonderheiten und Gefährdungen des Gebietes. Am 20.06.2001 fand die Generalprobe im Untersuchungsgebiet statt, so dass die Form, der Inhalt und der zeitliche Rahmen abgestimmt werden konnte.

Nach Ankündigung in der lokalen Presse (siehe Artikel in der NOZ vom 21.06.2001) fand diese Wanderung am Samstag, 23. Juni 2001, um 15 Uhr statt. Als Treffpunkt wurde das Klärwerk in Bissendorf vereinbart, welches direkt in der Niederung am Rosenmühlenbach liegt. Insgesamt erschienen 11 Personen zur Wanderung, nicht nur betroffene Landwirte, sondern auch Bürger, die eher aus heimat- und naturkundlichem Interesse teilnehmen wollten.

Nach einer kurzen Begrüßung wurden zunächst die geplanten Stationen vorgestellt:

1. Elbertshegge (Gebietsvorstellung, Geologie, Boden, Landschaftsbild)

2. Quelle

3. Eistrup (Siedlung, Trockenmauern, Hofbäume)

4. Rosenbruchweg 1 (Esch)

5. Rosenbruchweg 2 (Rosenmühlenbach und Grünland)

6. Rosenbruck (Wald)

7. Flutrasen (Zusammenfassung und Diskussion)

Am höchsten Punkt des Untersuchungsgebietes, der Elbertshegge an der Straße „Grüne Welle“, wurde ein Überblick über die geologische und bodenkundliche Entwicklungsgeschichte sowie dem Landschaftsbild vermittelt. Die Rosenmühlenbachniederung wurde hierbei als für das Osnabrücker Hügelland typischer Landschaftsausschnitt vorgestellt. Nächste Station war die in unmittelbarer Nähe gelegene „Grüne Quelle“. Hier wurde der empfindliche Lebensraum Quelle dargestellt und Hinweise auf die Gefährdungen gegeben. Beispielsweise wäre eine Pufferzone um die Quelle wünschenswert, um die bestehende starke Beeinträchtigung durch Nährstoffeinträge zu verringern. Auf dem Weg zum Ortsteil Eistrup wurde auf die aufwertbare landschaftliche Einbindung dieses Ortsteils hingewiesen. In Eistrup kam die Streuobstwiese als wertvoller Siedlungsbestandteil und faunistischer Lebensraum zur Sprache. Der zweite Anlaufpunkt in Eistrup befasste sich mit den Natursteinmauern, die ursprünglich als Einfriedung angelegt, nun als Trockenlebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Rolle spielen. Sie stellen zusammen mit den Hofeichen ein kulturhistorisches sowie orts- und landschaftsbildprägendes Element dar. Die Hofeichen wurden ursprünglich als Holzlieferant hofnah gepflanzt, damit sie vor Diebstahl geschützt waren. Neben ihrem ästhetischen Wert erfüllen sie zudem eine Aufgabe als „Sturmbrecher“, da sie oft an der Seite der Hauptwindrichtung gepflanzt wurden und so den Hof schützen. Der Spaziergang führte nun weiter zur Einmündung des Rosenbruchweges, wo die besondere Entstehungsweise und die Bedeutung des Eschbodens für die Landwirtschaft und als kulturhistorisches Element dargestellt wurde. Die Eschwirtschaft fand vor allem in Nordwestdeutschland zur Düngung und zur Anhebung des Geländeniveaus statt. Von diesem Standpunkt aus führte der Spaziergang über den Rosenbruchweg in die Niederung hinein. An der Brücke über den Rosenmühlenbach kamen der Bach und die Grünländer zur Sprache. Neben der unerwartet guten Wasserqualität wurde auch der für diese Landschaft untypisch gerade Verlauf und die fehlende Struktur des Rosenmühlenbaches, wie Uferbewuchs oder variable Uferneigungen und Fließgeschwindigkeiten, veranschaulicht. Der nächste Standort befaßte sich mit dem Themenkomplex Wald, dazu ging man in das Waldstück auf der Höhe des Phillips-Hofes. Der Eichenmischwald dort beinhaltet einige Flachsrotten, welche als Relikt der Leinherstellung vorgestellt wurden. Die angrenzende Fichtenschonung kam als im Gegensatz zum Eichenmischwald standortuntypischer und naturferner Waldtyp zur Sprache. Der sechste Standort befasste sich wiederum mit Wald. Hier wurde die potentiell natürliche Vegetation der Rosenmühlenbachniederung anhand einer Bruchwaldfläche erläutert. Typische Pflanzen, wie zum Beispiel einige Seggenarten, wurden vorgestellt und bildeten den Übergang zur letzten Station, den angrenzenden Feuchtgrünlandflächen. Mit der Vorstellung dieser wertvollen Bereiche war das Programm der Wanderung nach 1¾ Stunde im vorher festgesetzten Zeitrahmen von max. zwei Stunden beendet.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem das Rabenvogelproblem kontrovers behandelt. Die irrtümlich verbreitete Meinung, diese Vögel wären verantwortlich für den Rückgang der Kiebitze wurde versucht auszuräumen. Anhand der Biologie der Kiebitze wurde dargestellt das nicht die Rabenkrähen den Rückgang der Kiebitze verursacht haben, sondern die vermehrte Häufigkeit vielmehr eine Reaktion auf den Rückgang darstellen. Kiebitze benötigen feuchte Grünländer zum Stochern und lückige Bestände zum Brüten. Daher ist vor allem die intensivierte Landwirtschaft mit der frühen Bearbeitung dieser Flächen (walzen, schleppen, mähen) für den Rückgang dieser Vögel verantwortlich zu machen, da die Kiebitze die Brut nicht mehr rechtzeitig großziehen können. Krähen würden für eine intakte Kiebitzpopulation keine Bedrohung darstellen. Auch das Thema der naturnahen Fließgewässergestaltung in Zusammenhang mit dem Wasserabfluss machte deutlich, dass solche Maßnahmen behutsam und ausführlich erläutert werden müssen, um darzustellen, dass sie keine nachteiligen Auswirkungen auf das Wasserregime haben. Einige Fragen tauchten auch im Zusammenhang mit der Grünen Quelle auf. Es wurde gefragt ob es gesetzlich verankerte Mindestabstände für Nutzungen im Umfeld einer Quelle gebe. Leider ist dem nicht so, lediglich landwirtschaftliche Nutzungen sollen im Rahmen eines 1 m breiten Gewässerrandstreifens unterbleiben. Durch den Gehölzaufwuchs oberhalb der Quelle ist dieser gegeben, jedoch schließt die Nutzung unterhalb direkt an die Quelle an. Auf die Frage der Nährstoffbelastung konnten nur die ermittelten Sauerstoff- und Temperaturwerte genannt werden. Anhand dieser Fragen wurde nochmals die besondere Schutzwürdigkeit der Grünen Quelle und der Handlungsbedarf unterstrichen.

Seitens der Zuhörer wurde bedauert, dass nur ein Ratsmitglied der Gemeinde Bissendorf an der Wanderung teilgenommen hat, da ein Teil des Untersuchungsgebietes in naher Zukunft zwecks Ausweisung eines Industriegebietes überplant werden soll und diese Wanderung wichtige Informationen vermittelt hat. Die Reaktion der Zuhörer auf die Wanderung war durchweg positiv. Obwohl viele in unmittelbarer Nachbarschaft des Gebietes leben, konnten die Studierenden Dinge vermitteln, die bislang unbekannt waren. Die Wanderung selbst wurde als gute Idee gewertet, viele Zuhörer betonten, dass sie nun mehr mit offenen Augen durch diese Landschaft gehen würden und bedankten sich dafür. Herr Werries als betroffener Landwirt sprach den Studierenden ein Lob aus. Er war mit der Befürchtung zur Wanderung erschienen, dass die Studierenden alles verändern wollen, jedoch war diese Befürchtung weitestgehend unbegründet. Auch Herr Nieberg, der selbst eine Fläche in der Niederung besitzt und diese aus der Nutzung nehmen möchte, sagte, er habe zwei Dinge aus der Wanderung mitgenommen. Zum einen, dass die Landschaft und die Natur noch relativ gut in Ordnung sind, und zum anderen, dass er seine Fläche, die er vermutlich sonst im Glauben dem Naturschutz dienlich zu sein aufgeforstet hätte, nun eher im jetzigen Zustand belässt, welches dem Leitbild für diese Landschaft entspricht.

Zum Abschluß der Diskussion wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, eine digitale Version des Projektberichtes auf CD gebrannt zu erwerben. Diese Möglichkeit wurde von mehreren Personen wahrgenommen, außerdem soll nun ein Informationsblatt mit dem Hinweis auf die CD an alle Ratsmitglieder verschickt werden, damit auch sie im Rahmen der Überplanung des Gebietes die Ergebnisse und Anregungen der Studierenden als Datenbasis verwenden können.

Zusammenfassend kann man den Spaziergang also aus Sicht der Studierenden und der Zuhörer als Erfolg werten. Die Anforderung, ein einheitliches Anspruchsniveau für ein uneinheitliches Publikum zu finden wurde bei dieser Präsentationsform erfüllt. Hier zeigte sich, dass die ausgewählten Informationen und das Niveau optimal gewählt wurden. Auch die Gespräche, die sich zwischen den Stationen beim Gehen ergaben, sorgten für eine angenehme und gelöste Stimmung, was allgemein zur Auflockerung beitrug. Daher läßt sich also festhalten, dass die Wahl der Wanderung als Präsentationsform für diese Zielgruppe sehr gut geeignet war. Das durchweg positive Feedback der Zuhörer macht deutlich, dass auf diese Weise das Bewußtsein geschärft und die Akzeptanz für den Naturschutz erhöht werden kann, wenn das richtige Maß der Informationsmenge und –art, bezogen auf das Zielpublikum, gefunden wird. Demnach bestand das größte Problem darin, die Informationen so aufzuarbeiten, dass niemand überfordert, aber auch nicht gelangweilt ist. Es ist hier geglückt, durch die Wanderung den direkten Bezug zu den angesprochenen Themen zu geben, wodurch die Präsentation weniger steif und theoretisch war. Ebenso konnten Probleme und Unklarheiten mit praktischen Beispielen beseitigt werden. Der Grundsatz „weniger ist oft mehr“ führte hier zu guten Ergebnissen. Die Zuhörer wurden nicht mit umfangreichen wissenschaftlichen Fakten konfrontiert, wie es für eine reine Fachpräsentation sinnvoll ist, sondern es wurde mit sorgfältig ausgewählten Informationen eine Botschaft vermittelt, die den Bezug zu der Landschaft und den in ihr lebenden und wirtschaftenden Menschen nicht verloren hat.

 

Detailplanung

Einige Maßnahmen, die im Rahmen der Konzepte beschrieben werden, wurden zusätzlich als Detailplanungen erarbeitet. Die Detailplanungen können sich von den im Konzept beschriebenen Maßnahmen jedoch auch unterscheiden, da die Gruppen A und B gleichlautende Maßnahmen teilweise unterschiedlich gestaltet haben und dadurch die Detailplanung von der Konzeptplanung abweicht.

Es wurden von fünf Gruppen Detailplanungen für die untengenannten Themen, angefertigt:

· Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit des Rosenmühlenbaches

· Gestaltung von naturnahen Uferbereichen am Rosenmühlenbach

· Gestaltung eines naturnahen Quellabflusses der Grünen Quelle

· Anlage von Biotopverbundstrukturen

· Anlage von Grünstrukturen im Siedlungsbereich.

 

Maßnahmenkonzept A

Die Erfassungen und Bewertungen der verschiedenen Schutzgüter in den Kapiteln 4-8 haben Defizite und Beeinträchtigungen aufgezeigt. Der Zustand des Gebietes weicht teilweise stark von den im Leitbild beschriebenen Idealzuständen ab. Um diese Differenzen auszugleichen und sich den Vorgaben des Leitbildes zu nähern, wurden Ziele für die verschiedenen Lebensraumtypen des Projektgebietes formuliert, die – anders als im Leitbild – die sozialen und ökonomischen Bedürfnisse der Menschen, die in und von dem Gebiet leben, berücksichtigen. Die angestrebten Ziele stellen also nicht das naturschutzfachliche Optimum dar, sondern sind bereits das Ergebnis einer Abstimmung dieser fachlichen Ziele mit anderen Nutzungsansprüchen.

Prioritäten

Die prioritäre Rangfolge der Oberziele wird aus dem naturschutzfachlich begründeten Handlungsbedarf abgeleitet. Der Rosenmühlenbach weist in weiten Teilen seines Verlaufes starke Abweichungen von Leitbild für Niederungsgewässer auf und wurde in der Gewässerstrukturgütekartierung durchschnittlich als sehr stark geschädigt bewertet (vgl. Kapitel Gewässerstrukturgüte). Gewässer stellen im Maßnahmenkonzept daher die erste Priorität dar. Das in der Niederung befindliche Grünland fällt in die zweite Priorität, da Grünland als typische Vegetation von Bachniederungen in engem Zusammenhang mit dem Gewässer steht und der Erhaltung und Entwicklung (vgl. Kapitel Biotoptypenbewertung) insbesondere von Feuchtgrünland eine hohe Bedeutung zukommt. Wälder und Feldgehölze sind wichtige Biotope in der Kulturlandschaft und werden daher an dritter Stelle eingestuft. Anschließend folgen Acker und Siedlungen. Für diese Lebensraumtypen ist Handlungsbedarf vorhanden, jedoch aus naturschutzfachlicher Sicht an untergeordneter Stelle.


Daraus ergibt sich für die verschiedenen Lebensraumtypen folgende Reihenfolge der Oberziele (vgl. Ziele und Maßnahmen) für die Erstellung des Maßnahmenkonzeptes:

1. Gewässer

2. Grünland

3. Wald und Feldgehölze

4. Acker

5. Siedlungen

Die Priorität der Unterziele und der Maßnahmen dagegen richtet sich nach dem Anspruch, ein Konzept vorzulegen, das folgende Kriterien berücksichtigt:

- naturschutzfachliche Bedeutung

- geringer finanzieller und organisatorischer Aufwand

- einfache und schnelle Umsetzbarkeit

- Öffentlichkeitswirksamkeit

- Akzeptanz in der Bevölkerung, besonders der Landnutzer.

Diese fünf Kriterien wurden für jedes Unterziel gegeneinander abgewogen, wodurch sich die Prioritäten der Unterziele ergeben haben. Am Anfang der Kapitel zu den einzelnen Lebensraumtypen wird die prioritäre Rangfolge der Unterziele genauer erläutert.

Die Einstufung wird an den folgenden zwei Beispielen verdeutlicht:

1. Das naturschutzfachlich hoch einzustufende Unterziel, die Entwicklung eines naturnahen Verlaufs des Rosenmühlenbaches herzustellen, wird an nachgeordneter Stelle aufgeführt, da Gespräche mit den Landnutzern im Gebiet gezeigt haben, dass die Akzeptanz für dieses Ziel außerordentlich gering ist.

2. Das ebenfalls naturschutzfachlich hoch einzustufende Unterziel, die ökologische Durchgängigkeit des Rosenmühlenbaches wieder herzustellen, ist an übergeordneter Stelle eingestuft, da es durch wenige, kurzfristig greifende Maßnahmen erzielt werden kann und keine Nutzungsbeschränkungen mit sich bringt. Daher dürften auch keine Akzeptanzprobleme mit den Landnutzern auftreten.


Aus den Zielen werden anschließend die zur Umsetzung notwendigen Maßnahmen abgeleitet. Diese sind für alle Lebensraumtypen fortlaufend numeriert (vgl. Maßnahmenkarte A).

Dieses Konzept sieht entgegen den Empfehlungen des Landschaftsplans Bissendorf keine Schutzgebietsausweisung nach § 26 NNatG vor, setzt jedoch voraus, dass die Landnutzer und die Gemeinde sich eigenverantwortlich für den Schutz und die Entwicklung des Gebietes einsetzen.

Oberziele

Entwicklung eines naturnahen Fließgewässers und wassergeprägter Lebensräume

Der Rosenmühlenbach ist nicht grundlos namensgebend für das Projektgebiet. Er stand von Anfang an im Zentrum der Betrachtungen, nicht nur weil das Gewässer eine sehr wichtige Rolle als Lebensraum und als prägendes Landschaftsbildelement spielt, sondern auch weil es als pedogenetischer Faktor die Böden des Untersuchungsgebietes stark geprägt und damit die Nutzungsformen und die Vegetation entscheidend beeinflusst hat.

Die eigenen Erfassungen und Erhebungen (Gewässerstrukturgütekartierung, Biotoptypenbewertung etc.) haben gezeigt, dass im Bereich des Rosenmühlenbaches aus naturschutzfachlicher Sicht ein großer Handlungsbedarf besteht.

Erhalt und Entwicklung eines zusammenhängenden Grünlandkomplexes mit extensiver Bewirtschaftung

Das Grünland im Gebiet zeichnet sich in Teilen durch die Ausbildung floristisch wertvoller Pflanzengesellschaften aus, die nur durch eine Beibehaltung der bisherigen extensiven landwirtschaftlichen Nutzung erhalten werden können. Erstrebenswert ist neben einem Erhalt der floristisch wertvollen Flächen die Ausweitung der extensiven Nutzung und damit die Entwicklung weiterer hochwertiger Grünlandflächen sowie die Wiedereinbürgerung von Wiesenvögeln.

Erhalt und Entwicklung naturnaher und strukturreicher Laubwälder und Feldgehölze

Die Wälder weisen bereits in weiten Teilen eine naturnahe Ausprägung aus. Teilweise fallen sie unter den gesetzlichen Schutz des § 28a NNatG für „besonders geschützte Biotope“. Der Beibehaltung und der Ausweitung der extensiven forstwirtschaftlichen Nutzung der Waldflächen im Gebiet kommt eine hohe Bedeutung zu, weil es sich dabei um wichtige und auentypische Lebensräume handelt.

Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzung

Die Ackerstandorte auf den höher gelegenen Flächen unseres Untersuchungsgebiets sind nachweisbar schon seit über 150 Jahren in der Nutzung. Hierbei handelt es sich überwiegend um Eschflächen, die für den Osnabrücker Raum typisch sind. Eschflächen sind im Bundesgebiet selten und daher schützenswert. Deshalb soll auf diesen Flächen die Ackerbauliche Nutzung beibehalten werden.

Erhalt und Entwicklung der regionaltypischen Siedlungsstrukturen inkl. Einzelgehöfte

Die historisch begründeten Siedlungen Eistrup und Natbergen sind ausschlaggebend für die Charakteristik der Wohnbereiche des Menschen im Projektgebiet. Die Qualität und Struktur der alten Siedlungen und der umgebenden Einzelgehöfte prägen das Erscheinungsbild im Gebiet. Ein Erhalt dieser Strukturen und eine entsprechende, typische Entwicklung, besonders im Bereich Achelriede, ist wünschenswert. Daher ist es Aufgabe der Bauleitplanung und der darin enthaltenen strukturellen Entwicklung der Wohnbereiche, sich nicht in wertvolle oder gefährdete Bereiche hinein auszubreiten.

 

 

Maßnahmenkonzept B - Prioritäten

Die Prioritäten für die Maßnahmen wurden nach dem Erreichungsgrad für die Unterziele vergeben. Dabei wurden die Maßnahmen nach Unterzielen getrennt eingestuft.

Gewässer

Unterziele

Maßnahmen

a. Entwicklung von strukturreichen Gewässer- und Uferbereichen

I. Schaffung von mind. 10m breiten Gewässerrandstreifen auf gesamter Länge und zu jeder Seite des RMB

II. Uferbefestigung durch Pflanzung geeigneter Gehölze

III. Schutz strukturreicher Gräben

IV. Erweiterung der Gehölze am RRB

a. Entwicklung von Bereichen mit variablen Fließgeschwindigkeiten

I. Schaffung eines natürlichen Gewässerprofils

II. Schaffung eines mäandrierenden Bachverlaufs südlich des Rosenbruchs

b. Entwicklung eines naturnahen Quellbereichs

I. Schaffung einer Pufferzone von mind. 10 m im Umkreis der Grünen Quelle

II. Klärung und Versickerung des Oberflächenwassers der Ackerflächen oberhalb der Grünen Quelle

III. Naturnahe Anbindung des Quellabflusses an den RMB

IV. Erweiterung der ND-Satzung für die Grüne Quelle

V. Beseitigung des Mülls an der Grünen Quelle

VI. Aufstellung einer Besucherinfotafel

b. Entwicklung der natürlichen

Durchgängigkeit des RMB

I. Aktivierung einer intakten Umflut

II. Vorhandene Sohlschwellen durch Sohlgleiten ersetzen

III. Entfernung von Durchlässen und/ oder Ersetzen durch Überbrückungen

 

c. Erhaltung und Entwicklung

des Rosenmühlenteiches

und des RRB

I. Entschlammung des Rosenmühlenteiches

II. Ergänzung der Gehölze am RRB

III. Mittel- bis langfristige Pflege/ Entschlammung des RRB

 

 

Grünland

Unterziele

Maßnahmen

a.

Entwicklung eines zusammenhängenden Feuchtgrünlandkomplexes

b.

Sicherung der vorhandenen Feuchtgrünlandflächen

 

Extensive Bewirtschaftung bzw. naturverträgliche Nutzung mit bestimmten Vorgabenkatalog, z.B. Mahd erst nach der Hauptbrutzeit, keine Melioration etc.

Acker

 

a.

Entwicklung strukturreicher Ackerbereiche auf den Braunerdestandorten

 

 

 

 

I. Anlage von Heckenstrukturen und Feldgehölzen auf bzw. an Braunerdestandorten

II. Entwicklung von Saumstrukturen an Ackerstandorten

 

 

 

b.

Ackerbauliche Nutzung nur auf geeigneten Böden bei Erhaltung strukturreicher Wegsäume

 

 

I. Nur Böden mit hoher ackerbaulicher Ertragsfunktion sollen als Acker genutzt werden

III. Entwicklung von Saumstrukturen an Ackerstandorten

 

 

Wald

Unterziele

Maßnahmen

 

  1. Entwicklung von gestuften Waldrändern
  2. Entfernung von naturfernen in standorttypische Laubwälder und Feldgehölze

 

I. Bewirtschaftung in Anlehnung an das LÖWE-Programm

 

 

(darunter fallen: Waldränder, Totholz im Wald belassen, Umwandlung standortfremder in typische Laubgehölze)

 

c. Entwicklung von

Biotopverbundstrukturen

 

I. Anpflanzung von Hecken- und Gehölzstrukturen

 

 

Siedlung

 

  1. Verbesserung der landschaftlichen Integration der Siedlungen

 

 

I. Eingrünung der Ortsränder durch einheimische Arten

II. Anpflanzung von Gehölzen und Entwicklung von Saumstrukturen innerhalb der

Ortschaften

III. Anlage und Pflege von Kopfbäumen

 

  1. Erhalt und Entwicklung der Lebensraumqualität alter Siedlungsstrukturen

 

 

I. Obstbäume, Obstbaumwiesen und Hofbäume pflegen und ggf. ergänzen

II. Sanierung der Trockenmauern

III. Schutz von Solitärbäumen, besonders im Siedlungsbereich

 

 

  1. Erhalt und Entwicklung historischer Siedlungselemente

 

 

I. Vorschläge zur Erhaltung historischer Siedlungselemente

 

 

 

 

  1. Erweiterung bestehender Siedlungen nur durch Arrondierung und außerhalb der Niederung

 

 

I. Schließung von Baulücken bzw. Arrondierung bestehender Siedlungen

Aktualisiert ( Samstag, den 15. Januar 2011 um 14:11 Uhr )  

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