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Bauern oder Industriekapitäne?

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Moderne Zeiten in der Landwirtschaft

Kaum ein Bereich hat sich in den letzten Zeiten so stark verändert wie die Landwirtschaft. Während in den 1950er Jahren ein Bauer mit 10 Milchkühen sein Auskommen erreichen konnte, reichen heute 100 Kühe kaum aus. Heutige Betriebe haben mit "Bauernhöfen" kaum noch Gemeinsamkeiten. Der Strukturwandel hat aus ihnen Spezialbetriebe gemacht, die mit großem maschinellem und energetischem Einsatz Lebensmittel produzieren.

Diese Entwicklung, die gerne als unumstößliches Gesetz formuliert wird ("wachse oder weiche"), hat ihre Ursachen in Strukturen, die eben NICHT unumstößlich sind. Und sie hat wenig positive aber viele negative Seiten. Positiv ist die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Während in den 1950er Jahren fast die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens für die Ernährung draufging, liegen wir heute bei ca. 11%. Als positiv für die Verbraucher mag auch die Verfügbarkeit exotischer Produkte aus aller Welt gewertet werden. 

Aber da sind wir schon bei der negativen Seite. Der Weltmarkt mit seinen Verflechtungen ist zwar ein großes Reservoir (z.B. Soja-Importe), aber auch eine riesige Konkurrenz für die hiesige Landwirtschaft. Ein heutiger Landwirt muss sich gegenüber einer unglaublich großen Konkurrenz behaupten: der ganzen Welt. Negativ ist auch die Entwicklung der Qualität der Produkte. Bei einer Produktion, die auf die Masse achtet, bleiben Geschmack und Inhaltsstoffe auf der Strecke. Ein großer Teil unserer Zivilisationskrankheiten sind Ernährungskrankheiten. Negativ ist der massive Einsatz von Düngemittel und Pestizide, so negativ, dass auch der Gesetzgeber inzwischen die Notwendigkeit eines Eingreifens erkannt hat. Negativ ist die Entwicklung von selbstständigen Landwirten zu Vollstreckern von Investitionen.

Besonders negativ ist aber, dass es zu einer innigen Verflechtung von Agrarlobby und Politik gekommen ist. Wie der Fall Grotelüschen, ehemalige Landwirtschaftsministerin in Niedersachsen, gezeigt hat, haben Interessen die Politik geentert, die den Ausbau einer industriellen Landwirtschaft forcieren wollen. Bei dieser Art von Lebensmittelproduktion gerät das Produkt immer stärker in den Hintergrund, während Finanzierungs- und Subventionsfragen immer stärker in den Vordergrund geraten. Es hat sich ein Geflecht von Landwirtschaft, Agrarlobby, Politik und Unternehmen gebildet, das auf Kosten der Landwirte und der Verbraucher geht. Und der Tiere. Denn dass es immer noch Lebewesen sind, die in den Ställen gemästet, gemolken oder gerupft werden, ist bei der ganzen Sache wohl irgendwie verloren gegangen.

Die Süddeutsche Zeitung ist den Verflechtungen von Agrarlobby und Politik nachgegangen und zeigt die Auswirkungen dieser Kombination auf Tiere und auf uns, die Konsumenten.

In Linne soll ein weiteres Kapitel dieser Entwicklung aufgeschlagen und riesige Hähnchenmastställe gebaut werden. Wir empfehlen allen Befürwortern dieses Projekts die Lektüre der Süddeutschen Zeitung, damit hinterher keiner sagen kann, er hätte es nicht besser gewusst.

 

st den Verflechtungen von Agrarlobby und Politik nachgegangen und zeigt die Auswirkungen dieser Kombination auf Tiere und auf uns, die Konsumenten.
Aktualisiert ( Mittwoch, den 14. September 2011 um 14:47 Uhr )  

Kommentare 

 
#1 Gabriele Mörixmann 2013-08-21 20:00
Ob ich eine Menge an Tieren gut oder schlecht halte, hängt ni vom Betriebsleiter ab. Schließlich gibt es in Deutschland genügend Menschen, die nicht in der Lage sind auch nur ein Tier vernünftig zu halten. Politik und Landwirtschaft müssen einen gemeinsamen Weg finden. Viele Landwirte würden sofort die Hälfte an Tieren einstallen, wenn es für dieses etwas teuere Produkt eine Vermarktung geben würde. Also trauen sie bitte auch den größeren Betrieben ein wenig Verantwortung zu, und lassen sie uns gemeinsam Wege finden, wie man etwas teuere Produkte mit mehr Tierwohl vermarktet bekommt. Bevor man immer unsere Landwirtschaft verpönt, sollte man die Energie lieber in wahrheitsgemäße Verbraucheraufk lärung stecken. (www.landvolk-gesmold.de)
P.S.: Ich kenne sowohl die ökologische als auch die konventionelle Landwirtschaft und würde gerne mal mit den Grünen eine FÜR/WIDER Liste zusammenstellen . Und wie so oft im Leben würde der Mittelweg sich als der Richtige erweisen.
 

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